Review: Joe Cocker 2013 – Songpoet und Soulbruder…

...ein beseelter Abend mit Joe Cocker auf dem Coburger Schlossplatz.

­ Er kann es. Immer noch. Wenn Joe Cocker ins Mikrofon röchelt und schreit, dann klappt er sein Innerstes nach außen. Zumindest kommt er so über die Rampe. Und reißt die Fans mit. So wie beim Open-Air vor knapp 4000 Menschen auf dem Coburger Schlossplatz.

Joe Cocker COBURG 2013 ­ Wenn er „A little help from my friends“ einfordert, ist er nicht alleine und Tausende von Stimmen kommen ihm im Refrain zu Hilfe. Daran hat sich nichts geändert, seit John Robert „Joe“ Cocker, 1944 geborener Träger des „Order of The British Empire“, im August 1969 Woodstock rockte. Die Raspelstimme wurde ebenso zum Markenzeichen des britischen Sängers wie seine zuckenden, raumgreifenden Armbewegungen, die stets Spiegel seiner Musik sind.

Erik Penny Bei Cockers Coburger Auftritt darf der US-Amerikaner Erik Penny die Einmann-Vorgruppe geben. Und das macht der Gitarre spielende Singer/Songwriter ziemlich gut. Penny ist ein leiser, unspektakulärer Folk-Poet, dessen Stücke Tiefgang und viel Gefühl haben. Ein charismatischer Weltverbesserer, der auf das Mitsingpotenzial melodisch eingängiger Refrain setzt und damit nicht nur Softies von sich überzeugt. [Hier geht’s zur Bildergalerie von Erik Penny 2013]

Joe Cocker Altmeister Cocker kann es freilich noch eine ganze Kante besser. Das wird spätestens dann spürbar, wenn er zusammen mit der stimmstarken Backgroundsängerin Michelle das unsterbliche Filmduett „Up where we belong“ anstimmt: Eine Liebeshymne, die auch 2013 noch nach ganz großem Kino klingt und für wohlige Gänsehaut nicht nur bei den weiblichen Konzertgästen sorgt.

Joe Cockers brandneue Scheibe „Fire it up“ ist allerdings auch für hohe Chartsplatzierungen gut, das zeigt der für sein Alter schier unglaublich energiegeladene und präsente „Shouter“ mit dem gleichnamigen Titelsong, der beinahe hypnotische Kraft hat und ganz schnell lauthals mitgesungen und mitgeklatscht wird.

Joe Cocker Einzig in der Kommunikation mit seinen Fans ist Cocker von wortkarger Sparsamkeit. Wo andere zwischen den Songs ihr halbes Leben erzählen, ihre politischen Überzeugungen ausbreiten oder das Tagesgeschehen kommentieren, konzentriert sich Joe Cocker ganz auf die Musik und stellt erst ganz am Ende seine fraglos fulminante Begleitband vor, in der die besonderen Farben von Saxofon und Hammondorgel nicht fehlen dürfen. Eine Besetzung, die auch dafür verantwortlich ist, wenn Cockers Songs 2013 mehr denn je nach Jazz und Gospel klingen und wenn selbst Popschlager plötzlich eine Soul-Seele bekommen. Heim geht man mit einem hartnäckigen Dauerlächeln ­ und dem Wissen, einen besonderen Abend erlebt zu haben. Einfach stark.
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