Review: Die Welt mit Faey

Release-Konzert zum Debüt-Album „Golden Apples“ auf Gut Leimershof

Foto: Markus Scholz - stagebilder.de

Man hörte viel in den letzten Wochen über diese neue Band. Und man gewann den Eindruck, Sandra Elflein und ihre vier Mitstreiter seien wie Pilze aus dem Boden gewachsen.

Tatsächlich aber hat diese Band ganz offensichtlich einen Reifeprozess hinter sich, der einen unvergesslichen Abend ermöglichte: Im Gut Leimershof bei Bamberg wurde Stagebilder.de Zeuge eines Releasekonzertes der besonderen Art.

Der Veranstaltungsort liegt recht abgelegen, doch die Fahrt über Wiesen und Hügel sollte sich durchaus lohnen. Das Gut liegt umgeben von Grün und sorgt für angenehm familiäre Atmosphäre.

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Als Vorband verzückte Judy Harper mit süßen und feuerigen Harfenklängen. Hier ist der Name Programm. Eine außergewöhnliche Stimme rundet das Ganze ab und sorgte für die perfekte Einstimmung auf den weiteren Abend. [Bildergalerie: Judy Harper & Band]

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Mit einem verschmitzten Lächeln startete das Publikum in das Zweitprojekt von Faey-Bassist Baba Hail, „Nefacío“. Danach sollte jedem, der gerne Bassistenwitze erzählt, der Mund offen gestanden haben. Es stellte sich heraus wie vielseitig sich ein Bass vom Rhythmus- zum Melodie- und zurück zum Begleitinstrument verwandeln lässt. Hervorzuheben ist auch die warme rauchige Stimme von Baba, die sowohl sein Soloprojekt besonders macht, als auch „Faey“ stimmliche Fülle verleiht. [Bildergalerie: Nefacio]

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Und dann war es soweit: Faey eroberte die Bühne. Nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit einer ganz eigenen menschlichen Stimmung. Man möchte sich in einen imaginären Ohrensessel zurücklehnen und sich ganz von den vielen gesungenen und gespielten Geschichten mitnehmen lassen. Dabei bekommt man genau das, was die Band selbst beschreibt: „Musik, die wie ein Zauberspruch geheime Türen in ferne Zeiten und fremde Welten öffnet“.

Jedes einzelne Stück ihrer Debüt-CDGolden Apples“ spielten die fünf Musiker an diesem Abend.

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„Trotz der dadurch entstehenden Balladenlastigkeit“, wie Baba Hail augenzwinkernd dem Publikum verkündete. Das Auditorium schien freilich gerade danach zu dürsten. Es wurde zu schnellen Geigen- und Flötenklängen wie bei „Armahan Kulku“ getanzt und gelacht, doch genauso gerne ließ man sich fallen in die wiegenden Klänge eben solcher Balladen wie „Another Child„.

Die Setlist der Band war zudem gespickt mit Liebesliedern. Jedes schien beim Publikum anzukommen. Einhellige Meinung: „Ein warmer Abend voller Liebe“.

Herausragend die vielfältigen musikalischen Talente von Frontfrau Sandra Elflein.

Beim ihrem Geigenspiel in „Gipsy“ wird einem schlichtweg schwindeliger vom Zusehen als vom Tanzen. Und doch ist diese Gruppe keine Ein-Frau-Show, sondern ein homogenes Ganzes. Sandras Kollegen Baba Hail (Bass, Vocals), Volker Schömig (Gitarre, Vocals), Dominik Schödel (Percussion, Flöten, Drehleier) und Thomas Amon (Drums) rahmen ihre Frontfrau harmonisch ein. Dies wird spätestens klar wenn sie sich mit ihrem Stück „Faey“ musikalisch vorstellen. Es sind durchweg fantastische Musiker am Werk.

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Trotz ihrer virtuosen Fähigkeiten wirken sie alle recht menschlich, wenn ihnen so gar nichts einfallen will, um die lange Stimmpause für die zickige Drehleier zu überbrücken oder kurzzeitig vor lauter Freude über die Anwesenden die Flöte auf der Bühne verschwindet. Man darf sich sowieso wundern, wenn solch erfahrene Musiker vor dem Konzert aufgeregt herumwuseln wie kleine Kinder vor der Weihnachtsbescherung.

Vielleicht macht gerade das den Charme dieser Truppe aus: Sie lässt ihre Instrumente für sich sprechen – mit solch samtweichen und einnehmenden Klängen, dass man in ihrem warmen Herzen ertrinken möchte.

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Ein Faey Konzert ist für Band und Zuhörer ein bisschen wie eine Süßigkeiten Schublade. Man öffnet sie, wenn man auch nicht genau weiß, was einen erwartet. Und wenn man dann davon gekostet hat, quält sie einen mit Glücksgefühlen, bis man sie leergefuttert hat. Am Ende nahm man sich gerne von jeder der drei Bands noch eine Süßigkeit in Form einer CD mit und wünschte sich dabei, diese Schublade wäre bereits mit mehr Musiknaschereien der Bands gefüllt. [Bildergalerie: Faey]

-Lauren Weser