Review: 20 Wahre Jahre – In Extremo feiert

Großes 2-tägiges Band-Jubiläum auf der Loreley Freilichtbühne

20 Wahre Jahre - In Extremo 2015Foto: Markus Scholz - stagebilder.de

20 Wahre Jahre In Extremo wurden am 4. und 5. September 2015 auf der Loreley mit zahlreichen feierwütigen Gästen gefeiert. Ein Event, bei dem nicht nur Rockfans auf ihre Kosten kamen.
Der erste Blick auf die Location stimmte allerdings erst einmal skeptisch: Denn so angenehm es ist, praktisch vom gesamten Festivalgelände aus freie Sicht auf die Bühne zu haben und so gut die Akustik auf der Loreley ist, ist ein Amphitheater mit Reihen aus niedrigen Steinmauern doch denkbar unpraktisch für Moshpits und Crowdsurfer.

Omnia - 20 Wahre Jahre In Extremo Jubiläum 2015

Am Freitag begann es eher gemütlich mit der Gruppe Orphaned Land, die viele Zuhörer positiv überrascht haben dürfte. Auch Omnia stellte die Location vor keine größere Herausforderung. Wer in der anschließenden Umbaupause seinen Durst im nahegelegenen Biergarten löschen oder einfach nur die fantastische Aussicht dort genießen wollte, durfte einer kurzen Akustik-Session von Schandmaul lauschen, die dort vom WDR interviewt wurden. Zu einem zusätzlichen Lied ließen sich die Spielleute noch überreden, ehe Leadsänger Thomas die begeisterten Zuschauer für alles Weitere auf das Abendkonzert vertröstete.

Russkaja - 20 Wahre Jahre In Extremo Jubiläum 2015Kein Problem, denn auf der Bühne machten sich die Polka-Anarchisten von Russkaja bereit, der Menge einzuheizen. „Wir sind dieses Wochenende alle In-Extremisten“, erklärte Sänger Georgij – und die Menge hüpfte, tanzte und drehte sich auf den schmalen Steinmauern bis an die Grenzen der Balance. Erste Crowdsurfer und Mosher zeigten, dass es auch im Amphitheater geht.

Schandmaul - 20 Wahre Jahre In Extremo Jubiläum 2015Mit den trinkfesten Finnen von Korpiklaani wurde direkt weitergefeiert, ehe Schandmaul die Bühne enterte. Hier wurde es zwar erwartungsgemäß wieder eine Spur ruhiger, das Publikum war aber trotzdem begeistert, sang lauthals mit und verwandelte beim Abschlusslied „Dein Anblick“ das Amphitheater in ein Lichtermeer.

In Extremo - 20 Wahre Jahre In Extremo Jubiläum 2015Es folgte mit In Extremo das unbestrittene Highlight für die meisten Besucher. Die sieben reservierten den ersten Abend – abgesehen von der neuen Jubiläums-Single „Loreley“ – für Klassiker, die auf keinem InEx-Konzert fehlen dürfen: „Frei zu sein“, „Erdbeermund“, „Herr Mannelig“, „Vollmond“, „Küss mich“, „Spielmannsfluch“ sowie alte Perlen, die teilweise schon lang nicht mehr live zu hören waren, beispielsweise „Werd’ ich am Galgen hochgezogen“, „Die Gier“ oder „Rotes Haar“ – und wurden dafür vom Publikum frenetisch gefeiert. Den Abend ausklingen lassen konnte man im Partyzelt (wofür ein gewisser Alkoholpegel empfehlenswert war) oder gemütlich auf dem Mittelaltermarkt am Feuer. [Bildergalerie Freitag – 20 Wahre Jahre]

Fiddler's Green - 20 Wahre Jahre In Extremo Jubiläum 2015Der Samstag begann mit den Gewinnern des Bandcontests, Haggefugg, gefolgt von C.O.R. und Dritte Wahl. Mein persönliches Highlight des Tages waren Fidddler’s Green, die eine mitreißende Show ablieferten, obwohl Sänger und Gitarrist Pat sich an der Hand verletzt hatte. Den Klassiker „Rocky Road to Dublin“ ließen sie allerdings aus – vielleicht weil die bei diesem Song traditionellerweise veranstaltete Wall of Folk in dieser Location schlicht unmöglich gewesen wäre. Beim anschließenden Auftritt der Krupps leerte sich das Auditorium deutlich, um sich dann für Eluveitie wieder zu füllen, die dem Publikum ordentlich einheizten.

In Extremo - 20 Wahre Jahre In Extremo Jubiläum 2015Die Stimmung steigerte sich weiter beim Auftritt von Eisbrecher – auch ein Highlight für viele Festivalbesucher – , um bei In Extremo den Höhepunkt zu erreichen. Am zweiten Abend spielten die sieben neben unverzichtbaren Klassikern vor allem Lieder der letzten beiden Alben wie „Viva la vida“, „Zigeunerskat“, „Unsichtbar“, „Belladonna“ oder „Gaukler“. Und auch das Jubiläumslied „Loreley“ durfte bei diesem zweiten Set erneut nicht fehlen. An diesem Abend war das Amphitheater spürbar voller und wenn eine solche Menschenmenge wie aus einer Kehle „Frei zu sein“, „Vollmond“ oder „Himmel und Hölle“ singt, ist die Stimmung nur schwer zu toppen. Zum Abschluss gab es noch ein kleines Feuerwerk, ehe sich die Meute in Richtung Zeltplatz, Mittelaltermarkt oder Partyzelt verzog.
[Bildergalerie Samstag – 20 Wahre Jahre]

In Extremo - 20 Wahre Jahre In Extremo Jubiläum 2015Fazit: Wenn In Extremo ein Fass aufmachen, dann richtig! Das Festival war abwechslungsreich, voller Highlights in einer wirklich schönen – wenn auch für diese Musikrichtung nicht zu 100 Prozent geeigneten – Location mit entspanntem Publikum, das die sieben ordentlich hochleben ließ. Da kann man sich eigentlich nur auf die Feier der 25 Wahre Jahre In Extremo freuen!
Ellen Walheim