CD-Review: Delva – EP

Vielversprechendes Debüt mit ein paar Klischees zu viel

Mystische Schlagwerkrhythmen, chromatische Moll-Läufe auf der Geige und ein klangvoller Frauenalt, der düstere Texte mit okkultem Unterton skandiert: Das Debüt der Münchner Band Delva bedient die Klischees und damit auch den Geschmack der Mittelalter-Folkfans, wie der Schlüssel mit dem großen Bart ins rostige Schloss des Burgtores passt.

CD-Review Delva - Debüt-EP

Soll heißen, der erste Silberling der Gruppe, eine EP mit gerade einmal sechs Nummern, geht auf Nummer sicher, tut niemandem weh, der sich auf Festivals wie dem Abenberger „Feuertanz“ oder dem Selber „Mediaval“ herumtreibt und elegische Balladen mag.

Fein: Die Stimme von Leadsängerin Johanna Krins unterscheidet sich vom übertriebenen Bombast vergleichbarer Formationen ebenso, wie die bewusst akustische Ausrichtung des Mini-Albums. Synthesizer haben bei Johanna Krins, ihrer Schwester Judith Krins an der Violine und Michael „Michi“ Löwe an Gitarre und Banjo nichts verloren. Diese Musik ist im besten Sinne „ausgestöpselt“, was den Eindruck verstärkt, dem Soundtrack eines imaginären Abenteuer- und Liebesfilms mit starken Fantasy-Elementen zu lauschen.

Hypnotisch und ein wenig rätselhaft ist „Der Rabe“ geraten – mit hypnotischem Klaviergeflecht und nervösem Banjo, das dem Song etwas Manisches verleiht.

Dass Johanna Krins am Piano bisweilen sehr heftig mit dem Kunstlied der Spätromantik flirtet, schadet nicht. Denn dadurch bekommt Anspruch, was andernfalls zu simpel geraten könnte.

Was nun noch fehlt, ist jene ironische Mehrdeutigkeit, welche die melancholischen Lieder von Delva latent bereits in sich tragen, die sich aber derzeit noch in dezenten Andeutungen erschöpft. In ein paar Jahren könnte dieses Trio zur ernsthaften Konkurrenz selbst für Schwermut-Spezialisten wie L’Âme Immortelle sein, die in Sachen Gänsehaut machender Seelenlandschaften immer noch die Maßstäbe setzen. Kurz: Die Delva-EP ist ein Einstand, der zwar noch nicht den großen Wurf verkörpert, aber eindeutig Appetit auf mehr macht.
-HANS VON DRAMINSKI

Trackliste:
01. Gestranded
02. Schwarz & Weiß
03. Der Rabe
04. Das Pendel
05. Schattentanz
06. Versprich Mir

Die Delva – EP ist über den bandeigenen Shop auf www.delva-band.de erhältlich.